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Unser Jubiläumskalender

Jubiläumskalender 2020

Szenen aus dem Alltag

Mit Illustrationen von Steffen Boiselle

Januar 2020

Wurzeln und Wachsen

Am 16. Juni 1920 wurde die Gemeinnützige Aktien Gesellschaft, kurz GAG Ludwigshafen am Rhein, gegründet. In der Satzung von damals unter § 2 gleich nach der Feststellung des Namens steht: „Zweck der Gesellschaft ist ausschließlich der minderbemittelten Bevölkerung gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen billig und preiswert zu verschaffen; Gegenstand des Unternehmens sind daher alle diesem Gesellschaftszweck dienende Geschäfte, insbesondere der Erwerb, die Herstellung und Verwertung von Häusern und Grundstücken“.Das erste Quartier, das die GAG errichtete war die Heimstättensiedlung auf einem freien Gelände am damaligen nordöstlichen Stadtrand. Sie schloss sich an den damals bereits von der Stadt begonnenen Roten Hof an. Die öffentliche Hand nahm sich damit der drückenden Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg an.

Februar 2020

Weder Ruhm noch Ehre

Eines der traurigsten Kapitel der deutschen Geschichte machte auch vor der GAG nicht halt: Der sozialdemokratische Vorstand der GAG Valentin Bauer wurde gegen den parteitreuen Architekten Scholler ausgewechselt. Sein jüdischer Kollege Markus Sternlieb hatte bereits 1932 sein Amt niedergelegt. Die gleichnamige Hauptachse durch die Ebertsiedlung wurde in Adolf-Hitler-Straße umbenannt. Bei seinem Besuch fuhr „der Führer“ im offenen Wagen durch die Siedlung, die nach den Prinzipien des neuen Bauens „Licht, Luft und Sonne“ in Anlehnung an die Bauhaus-Bewegung errichtet wurde. Eine Kunstströmung, die im Dritten Reich verboten war. Was für eine Ironie der Geschichte.

März 2020

Den Trümmern trotzen

Aufgrund seiner Bedeutung als Industriestadt zählte Ludwigshafen im Zweiten Weltkrieg zu den am schwersten bombardierten Städten. Rund 88 Prozent des GAG-Bestandes waren beschädigt oder unbewohnbar. Nur 365 Wohnungen waren verschont geblieben. Bis zur Währungsreform war es zudem schier unmöglich für die wertlose Reichsmark Baumaterialien zu erhalten. So machten sich die sieben Mitarbeiter nebst dem wiedereingesetzten Vorstand, die bei Kriegsende zugegen waren, zunächst daran eine Bestandaufnahme einzuleiten und die Verwaltung der Wohnungsbaugesellschaft zu ordnen. Die große BASF-Explosion 1948 schädigte noch viele Häuser in Friesenheim und Oppau, die bis dahin verschont geblieben waren.

April 2020

Weißer Riese, Petticoat und Capri

Zu den ersten Großsiedlungen, die auf innerstädtischem Gelände entstehen gehören die Valentin-Bauer-, die Fontane-Stifter und die Ernst-Reuter-Siedlung. Sozialer Knotenpunkt in den neuerrichteten Quartieren waren die so genannten Waschküchen. Hier traf sich Groß und Klein und vor allem die Hausfrauen zum Austausch von Neuigkeiten. Meist waren sie zentral zwischen den typischen Häuserzügen gelegen. Zuständig war ein so genanntes Waschmeister-Ehepaar, das auch die Marken für die Maschinen vergab. Für viel der „Erstbezieher“ war es ein Luxus eine Wohnung mit einem eigenen Bad und einer Toilette zu haben. Einen Mietvertrag für Paare gab es nur nach Vorlage des Trauscheins, jeder kannte jeden und Familien mit drei bis vier Kindern waren keine Seltenheit. Auf jeden Fall passten alle in den VW-Käfer.